Können Sie sich vorstellen wie man sich fühlt, wenn man sich als kleines Mädchen vom Christkind einen Puppenwagen – und um der ganzen Sache auch einen Sinn zu geben – eine Babypuppe wünscht? Und  dann voller Erwartungshaltung zum Christbaum eilt… und dort steht stattdessen ein Indianerzelt…

Wenn Sie nun tatsächlich glauben sich vorstellen zu können wie furchtbar enttäuschend das ist. Stellen Sie es sich einfach noch etwas schlimmer vor…

Ich persönlich verstehe es ja bis heute nicht. Wie bitte kann man ein Indianerzelt mit einem Puppenwagen verwechseln? Kann das Christkind vielleicht gar nicht lesen? Tut es immer nur so? Oder ist die Strategie der anderen Kinder, die ihre Wunschzettel zeichnen, doch einfach die viel bessere? Ich dachte ja alles richtig zu machen, weil ich nicht zeichnen kann und Verwechslungen vorbeugen wollte. Wobei viel schlimmer hätte es ja eigentlich echt nicht kommen können.

Obwohl… doch… es konnte tatsächlich noch schlimmer kommen!
Nun war ja da schon mal das Problem mit der Verwechslung – Zelt versus Puppenwagen.
Dann gab es an diesem Abend aber auch noch ein zweites, mindestens so gravierendes, Problem. Anstatt der Babypuppe bekam ich neue Ski. Ich hasse Skifahren!!!!
Die müssen da oben beim Christkind schon echte Probleme haben in der Warenauslieferung. Vielleicht sollten sie an einem der 364 anderen Tage im Jahr mal ein Praktikum bei Amazon machen. Da klappt das immer ganz wunderbar. Das was ich anklicke bekomme ich dann auch geliefert. Toll!  Und die behaupten noch nicht einmal das Christkind zu sein…

Ich wollte, als vollleidenschaftliche Puppen-Mama, meine Stephanie (so wollte ich sie taufen) sooo gerne herumschieben, wickeln, füttern. Eben alles machen, was man als Puppenmama so macht.

Stattdessen saß ich dann mit einem Paar neuer Skier in einem Indianerzelt und fühlte mich weder ernst genommen, noch verstanden. Ganz im Gegenteil. Ich verstand die Welt nicht mehr.

Das hat mich dann auch noch sehr lange beschäftigt – streng betrachtet sogar bis heute. Wobei ich ein, oder zwei Jahre später dann doch auch noch meine sooo herbeigesehnte Stephanie nebst fahrbaren Untersatz vom Christkind bekommen habe. Die erste Enttäuschung sitzt mir aber bis heute ganz tief in den Knochen.

Am schlimmsten war es  dann aber irgendwann zu verstehen, dass dieser Fauxpas ja gar nicht am Christkind lag. Das ist wahrscheinlich doch gar kein Analphabet… der „Analphabet“ war mein Vater. Der einfach so – über den Kopf vom Christkind und ganz besonders auch über meinen hinweg – beschlossen hat, dass ihm ein Indianerzelt und Skier mehr Freude bereiten würden. IHM…. Das war hier aber echt nicht das Thema. Und interessiert auch niemanden!

An dieser Stelle sollte ich jetzt vielleicht einmal erwähnen, dass mein Vater immer aus tiefstem Herzen gehofft hätte einen Sohn zu bekommen. Und, weil er nicht der Typ ist der leicht aufgibt, das meine ganze Kindheit und auch noch die ersten paar Jahre meiner Jugend hindurch (vergeblich….) versucht hätte noch irgendwie zu hinzubekommen. Er hat einfach immer wieder probiert mich mehr wie einen Sohn als eine Tochter zu behandeln. Eigentlich ja auch unglaublich lösungsorientiert… oder?

Mittlerweile ist er zwar (hoffe und glaube ich auch) ganz froh eine Tochter zu haben. Spätestens deshalb weil ihm ein Sohn seine ganzen aktuellen Spompanadeln niemals würde durchgehen lassen. Wobei… wenn er die Wahl hätte, würde er möglicherweise doch noch immer tauschen wollen und lieber einen Sohn beim Storch bestellen.

Warum aber sollte es meinem Vater besser gehen als mir? Ich „bestelle“ beim Christkind einen Puppenwagen mit Puppe und bekomme ein Indianerzelt und ein Paar neue Ski. Mein Vater wünscht sich vom Storch einen Sohn und bekommt… Mich… Das nenne ich jetzt mal eine echt ausgleichende Gerechtigkeit :o) ….

Oder der Fehler liegt in beiden Fällen sogar jeweils bei uns selbst? In dem Buch „The Secret“ habe ich einmal gelesen, dass man die eigenen Wünsche haarklein genau ausformulieren muss, damit sie das Universum auch tatsächlich erfüllen kann. Hmmm… vielleicht waren wir für das Christkind und den Storch auch einfach nur viel zu unkonkret? Darüber werde ich jetzt jedenfalls einmal in Ruhe nachdenken und das mit dem Wünschen noch fest weiterüben.

Nicht, dass das Universum sonst am Ende noch den Eindruck bekommt ich würde mir beispielsweise – dem Alter entsprechend – statt einer Puppe einen neuen Mann wünschen. Und wieder solche Fehler machen bei der Auslieferung. Dann legt es mir heuer am Ende meinen Exmann unter den Christbaum. Der ist zwar lieb. Aber schon auch irgendwie vergleichbar mit meinem früheren Indianerzelt. Und ich will beide definitiv nicht zurück.

Leave A Comment