Als Psychologin habe ich  schon während meiner Ausbildung eine sehr ausgeprägte Affinität zum Ansatz der  „Positiven Psychologie“ entwickelt. Das war für mich wie eine Zusammenfassung meiner eigenen Einstellung zum Leben. Immer zu versuchen jedem und allem etwas positives abgewinnen zu können. Egal, wie schwierig manche Situationen auch sein mögen. Mein Ziel war es schon immer, dass es doch auch irgendwo inmitten dieser ganzen Herausforderungen auch irgendetwas Positives geben muss.
So gestalte ich auch in meiner Arbeit all‘ meine Sitzungen. Ich zeige meinen Klienten stets eine Sichtweise auf irgendwas Positives. Sei dies auch noch so unscheinbar, gemeinsam haben wir noch immer etwas gefunden.

Und genau das macht mir so viel Freude an meiner Arbeit. Zu zeigen, dass uns das Glück niemals ganz verlässt. Auch, wenn es sich oft genau so anfühlt. Aber… erst, wenn wir selbst zulassen, zu denken, dass uns das Glück ganz verlassen hat, wird es sich auch nicht mehr zeigen. Zumindest nicht so schnell.

 

Wie entstehen Glücksgefühle eigentlich?

Glück ist ein emotionaler Zustand. Der von jedem Menschen anders interpretiert und wahrgenommen wird. Es gibt, glaube ich, gar keine Verallgemeinerung für Glück. Was für den einen das große Glück ist, kann für den anderen der aller größte Stress sein. Wenn sich eine Frau nichts sehnlicher wünscht, als ein Baby zu bekommen ist ein positiver Schwangerschaftstest das größte Glück der Erde. Für eine Frau die diesen Kinderwunsch (zumindest in diesem Moment) nicht hat ist dasselbe Testergebnis eine so große Herausforderung, dass es ihr am Anfang die Luft zum Atmen nimmt und alles Glück in diesem Moment weg ist. Weil sie nur noch die Leere und Angst verspürt wie sie mit dieser Situation jetzt umgehen soll.

Wie also entsteht Glück? Aus meiner Sicht entsteht es in unseren eigenen Köpfen. Wir bestimmen für uns selbst was uns glücklich macht und was nicht. Was wir uns wünschen und bis zu einem gewissen Grad auch erwarten, weil wir spüren und denken, dass wir dies, oder jenes, einfach verdient haben.

Oftmals sind unsere individuellen Erwartungen an das Glück aber auch noch zu geprägt von unserer eigenen Kindheit und wir vergessen als Erwachsene oft darauf die Definition vom „Eigenen Glück“ nochmals neu zu überlegen.
Mein größter Traum als Kind war es zum Beispiel später einmal unbedingt drei Kinder bekommen zu dürfen und gemeinsam mit meinem Mann, den Kindern und einem Golden Retriever in einem schönen großen Haus zu leben. Mit einer eigenen Praxis als Kinderärztin im selben Haus.
Als Erwachsene habe ich dann vor lauter Ehrgeiz aber darauf vergessen, dass ich mir für diesen Lebenstraum einen Mann suchen muss mit dem ich auf wirklich Kinder bekommen möchte. So fing es schon mal an…. Ich habe nämlich einen Mann geheiratet mit dem ich mir nie vorstellen hätte können wirklich Kinder zu bekommen. Ich war einfach nur so verliebt, trotzdem seinen Heiratsantrag anzunehmen.
Schon vor meiner Ehe habe ich mich auch gegen ein Medizinstudium entschieden, weil ich im Zuge eines Praktikums auf der Kinder-Onkologie für mich selbst erkennen musste, dass dieser Beruf mich emotional völlig überfordert.
So habe ich mich irgendwann aber auch sukzessive selbst verloren. Und das über viele Jahre hinweg. anstatt nämlich mein eigenes Glück neu zu definieren habe ich mich nur noch in meine Arbeit gestürzt, war beruflich ständig unterwegs und hatte nie mehr das Gefühl von Heimat zugelassen. Aus Angst zu erkennen, dass ich irgendwann einmal falsch abgebogen bin.

Bis mir zum meinem großen eigenen Glück (im wahrsten Sinne des Wortes) irgendwann bewusst geworden ist, dass es genau meine Erwartungen an mich selbst sind, die mich seit Jahren unbewusst unglücklich machen. Und, dass ich vor meinen eigenen Gefühlen nicht länger weglaufen kann und auch nicht will.
„Nur“ weil ich kein Haus mit Mann, Kindern und Hund habe, heißt das ja noch lange nicht, dass ich das Gefühl von Heimat nie erfahren werde dürfen. Und ebenso „nur“ weil ich keine Kinderärztin geworden bin, darf ich ja natürlich trotzdem eine eigene Praxis haben. Statt als Ärztin aber eben als Psychologin. Ich muss nur lernen umzudenken. Und neue Pläne zu schmieden. Bis dahin habe ich im Zusammenhang mit mir hier nämlich immer nur die Probleme gesehen – etwas was mir bei anderen Menschen im Leben nicht passieren könnte, da sehe ich immer sofort die Lösung. Bei mir habe ich jedoch nur gesehen, dass ich als Wirtschaftspsychologin (das ist eine eigene Studienrichtung, welche sich, wie der Name schon sagt, auf psychologische Aspekte aus der Wirtschaft fokussiert) nicht einfach so eine Privatpraxis eröffnen kann. Ja…., aber warum mache ich dann nicht einfach eine therapeutische Zusatzausbildung um das dann doch zu dürfen..?

Also… gesagt, getan. Und so habe ich noch einige Zusatzausbildungen gemacht, um mir meinen ursprünglichen Lebenstraum dann doch noch – in etwas abgewandelter Form – erfüllen zu können.

Und auch wenn ich keine eigenen Kinder bekommen habe bin ich heute eine vollleidenschaftliche Tante und liebe es  von ganzem Herzen in meiner Praxis mit Kindern zu arbeiten.

Wir können nämlich alle immer dann glücklich werden, wenn wir lernen unsere Erwartungen an das eigene Glück neu zu überdenken und überlegen welche davon wirklich noch stimmen und welche sich im Laufe unseres Lebens möglicherweise auch verändert haben.

Unser eigenes Glück machen wir uns nämlich alle selbst!

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