Wenn Eltern sich zu sehr über Äußerlichkeiten definieren

Viele Eltern, und damit meine ich Mütter und Väter, legen sehr viel wert auf ihr Äußeres und definieren sich bis zu einem gewissen Grad auch darüber. Wie sie aussehen, gekleidet sind, welchen Eindruck sie auf andere machen. Da muss alles immer perfekt sein. Die Frisur, die Figur, die Kleidung. Ungeachtet dessen, welchen Druck sie durch diese eigenen Eitelkeiten ihren Kindern machen.
Ganz besonders Mädchen sind hier besonders gefährdet diesem Druck nicht auf Dauer standhalten zu können und es auch gar nicht zu wollen. Spätestens in der Pubertät, wenn der Körper beginnt sich zu verändern und viele Mädchen durch die Hormonumstellung, die diese Zeit nun mal eben mit sich bringt, zuzunehmen. In dieser emotional hochbrisanten Zeit kann es dann ehr leicht passieren, dass Kinder ob ihrer emotionalen Leere, wenn niemand liebevoll für sie da ist und sie auffängt, Krankheiten wie die Anorexia nervosa (Magersucht), oder die Bulimia nervosa entwickeln. Beides Krankheiten, die von der Umwelt oft viel zu lange nicht erkannt werden.
Leider ist diese Lebensphase, bei Mädchen, ebenso wie bei Burschen, eine so herausfordernde, dass es auch für die Eltern nicht leicht ist, hier immer liebevoll unterstützend zu begleiten. Weil es die Jugendlichen selbst gar nicht zulassen und ihre eigenen Eltern, durch ihr Verhalten, immer wieder tief verletzend vor den Kopf stoßen. Was ihnen in dieser Zeit der „Selbstfindung“ jedoch gar nicht bewusst ist. In Wirklichkeit brauchen sie hier aber noch viel mehr Liebe als die ersten Jahre ihres Lebens. Nur, dass sie jetzt in einer Lebensphase sind, in der sie diese Liebe nicht mehr zulassen wollen, weil sie sich grade so sehr in ihrem eigenen „sein“ verlieren, dass jeder Außeneinfluss als feindlich betrachtet wird. Ganz besonders der, der eigenen Eltern.

So passiert es aber auch sehr leicht, dass Jugendliche vereinsamen. In ihrem eigenen Schneckenhaus in das sie sich, ob ihrer Unsicherheiten und Unzufriedenheiten (mit dem eigenen Körper) zurückziehen. Und dann nicht mehr wissen was sie gegen diese emotionale Einsamkeit unternehmen sollten. So beginnen Sie oftmals sich, so wie sie es ja von klein auf gelernt haben, über ihr Aussehen zu definieren. Sie werden eitel um den Ansprüchen der anderen gerecht zu werden. Und zu zeigen, dass sie dem anerzogenen Ideal entsprechen. Was aber tun, wenn die Seele so einsam ist, dass nur noch eine große Tafel Schokolade und Chips helfen? Und sich das eigene Aussehen nicht mehr deckt mit der Erwartungshaltung der Eltern? In genau diesem Moment passiert es dann, dass Kinder und Jugendlich beginnen, bulimisch zu werden. Sie essen, um die Seele zu nähren und erbrechen um „schön“ zu sein.
Oder, Sie entwickeln eine Körperschemastörung und sind davon überzeugt, egal wie schlank sie sind, immer noch zu dick zu sein. Aus Angst vor dem Zunehmen beginnen sie dann sehr häufig mit Extremsport um möglichst viele Kalorien zu verbrauchen – viel mehr als sie überhaupt zu sich nehmen, weil sie ja ohnehin fast nichts mehr essen. Oder sie lesen im Internet, dass sie keinen Hunger mehr haben, wenn sie in Orangensaft getränkte Wattepads essen. Stimmt…. Hunger haben sie dann keinen mehr, weil die Watte dem Magen vortäuscht voll zu sein. Nährstoffe, Enzyme und Vitamine haben sie dann aber leider ebenso wenig zugeführt wie verdaubares essen.
Ein Teufelskreis aus dem Kinder erst wieder herauskommen, wenn sich die Eltern ihrer eigenen Muster bewusst werden, die sie selbst dazu bringen sich über ihr äußeres zu definieren. Über aufgesetzten Perfektionismus, der kein bisschen etwas mit dem Menschen dahinter zu tun hat. Das ist in Leben in Oberflächlichkeit gepaart mit der unendlichen Hoffnung für das eigenen Aussehen Anerkennung und sogar Liebe zu bekommen.
Das wird aber nie funktionieren. Liebe kann nämlich nur von Innen kommen. Völlig unabhängig welche Kleidergröße man hat. Liebeswert sind nicht die Designerjeans, die den vom Schönheitschirurgen fehlerfrei gestrafften Popsch verpacken, sondern das ausschließlich der Mensch, der sozusagen an diesem Popsch „dranhängt“. Wenn hier keine inneren Werte sind, nützt die teuerste Jeans nichts. Ebenso wenig wie der beste Schönheitschirurg.

Mit meinen Ausführungen möchte ich jetzt aber auch auf keinen Fall ausdrücken, dass es egal ist, ob man etwas für seine Gesundheit tut, oder nicht. Übergewicht ist ungesund. Das steht außer Frage! Ein paar Kilos mehr auf der Waage tun aber der Schönheit keinen Abbruch. Krankheiten wie die Anorexia nervosa und die Bulimia nervosa schon! Beide machen krank und die Magersucht kann zudem tödlich enden.

Wenn Eltern es lernen, oder im besten Fall schon können, sich selbst authentisch zu verhalten und zu sich zu stehen. Regelmäßig Sport zu machen, jedoch ohne Stress, sich gesund zu ernähren, gemeinsam zu kochen und auch immer wieder einmal ein Stück Schokolade und andere Süßigkeiten zu genießen, dann leben sie ihren Kindern genau das vor, was diese brauchen, um im eigenen Körper anzukommen und auf sich zu achten. Die eigenen Bedürfnisse zu erkennen. Nämlich auch dahingehend ob sie wirklich Hunger haben, oder aus Einsamkeit, oder Langeweile essen. Oder, im schlimmsten Fall, ob der unendlich schmerzhaften inneren Leere, die sie ständig spüren, weil sie glauben nicht gut genug zu sein. Nicht dem Idealbild der eigenen Eltern zu entsprechen.
In diesem Fall liegt es an den Eltern zu erkennen, dass auch sie keinem Idealbild entsprechen müssen. Das einzige Ideal, dem Sie entsprechen müssen ist ein gesundes, auf sich selbstachtsames Inneres. Denn wahre Schönheit kommt nun mal von Innen. Nie von außen!

Ich selbst musste das auch erst lernen. Nach vielen Jahren in denen die Bulimie auch mein Leben bestimmt hat. Um genau diesen Idealen gerecht zu werden die man von mir erwartet hat. Bis ich als Erwachsene gelernt habe auf mich selbst aufzupassen und eigene Ideale zu definieren. Und seitdem ich begonnen habe täglich Yoga zu machen und so lernen durfte mich selbst wieder zu spüren bin ich endgültig mit mir im Einklang. weil ich seitdem endlich wieder hören kann, was mir mein Körper sagen will. Was er braucht und was er nicht braucht. Ich habe wieder gelernt intuitiv zu essen. Es war kein leichter Weg. Mehr als zwei Drittel meines Lebens wurden stets davon bestimmt, dass ich in Gedanken immer davon überzeugt was, dass ich auf keinen Fall zunehmen darf. Dass Essen „schlecht“ ist und ich deshalb ja nie zu viel essen darf. Weil ich sonst bestimmt sofort wieder zunehmen würde.
Bis ich aufgehört habe mit dem Kopf zu essen und stattdessen endlich begonnen habe mit Leib und Seele zu essen. Mir selbst zuzuhören was ich mir jetzt wünsche. Was mir Freude macht und guttut. Und dann habe ich auch noch begonnen selbst zu kochen. Rezepte zu kreieren und mein inneres Kind zu liebevoll füttern und dadurch auch emotional zu füttern. Durch Selbstliebe und Selbstfürsorge. „Gemeinsam“ Zeit in der Küche zu verbringen. Etwas, was ich als Kind  nie gelernt habe. Mein inneres Kind  sich das aber immer so sehr gewünscht hätte. Zeit zum Kochen zu haben. Freude am Ausprobieren, am Entwickeln neuer Ideen und neuer Rezepte. Und auch andere mit meinem Essen zu verwöhnen.
Und so habe ich es mit Yoga und gesunder Ernährung geschafft meine innere Mitte wieder zu finden. Und auch endlich zu Essen ganz ohne zuzunehmen – weil ich nämlich keine Angst mehr davor habe. Auch meinen Reizdarm kann ich so jetzt seit einigen Jahren sukzessive  heilen. Eine jahrelange Bulimia nervosa verzeiht einem der eigene Körper nämlich nicht. Zumindest nicht so schnell. Aber wir sind auf einem guten Weg. Mein inneres Kind und ich 😊 .

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