Die zwischenmenschliche Kommunikation gehört zu den herausforderndsten Dingen im Leben. Manchmal dürfen wir so wunderschöne Dinge wie „Ich liebe dich“, oder „Du bist mir unglaublich wichtig“ hören. Manchmal aber auch Dinge wie „Du gehst mir auf die Nerven“.

Wie wir mit diesen Aussagen umgehen liegt dann jeweils an uns selbst. Und unseren eigenen Erfahrungen. Erfahrungen mit der Person mit der wir gerade sprechen, oder auch aus unserer eigenen Vergangenheit.
Wenn wir früher vielleicht schon einmal von jemanden eine Liebeserklärung bekommen haben, uns diese Person dann aber im tiefsten Herzen verletzt und gedemütigt hat, können wir die schönsten drei Wörter der Welt nie mehr so romantisch und unbeschwert verspielt aufnehmen wie beim ersten Mal.

Oder wir schmeißen beim ersten „Du gehst mir auf die Nerven“ alles sofort hin, weil wir uns auf einen Schlag sofort zurückversetzt fühlen in unsere Kindheit in der wir unter Umständen einmal die Erfahrung machen mussten nicht so sein zu dürfen wie wir sind. Und aus Angst wieder ständig kritisiert zu werden sofort in den Rückzug gehen und versuchen uns so unverletzbar zu machen.

Wir bestimmen immer selbst was wir hören wollen. Und auch wie wir es verstehen und interpretieren wollen.
Damit können wir uns und unserem eigenen Glück aber auch ganz schön im Weg stehen.

Warum? Weil unsere eigenen Glaubenssätze der Grundpfeiler unserer Kommunikation sind.

Solange wir  nicht lernen mit unserem eigenen „Tatsachen-Ohr“ zuzuhören werden wir  unbewusst immer wieder in die Falle tappen mehr zu hören, als tatsächlich gesagt wurde.
Die wichtigste Frage ist also… Was möchte mir mein Gegenüber wirklich sagen? Auf welcher Tatsache beruht diese Aussage?
Völlig unabhängig von unseren individuellen Erfahrungen aus der Vergangenheit. Sonst verpassen wir die schönsten Momente im Leben. Oder dichten viel zu viel dazu was überhaupt nie gesagt, oder auch nur gedacht wurde.

Der Grund hierfür ist der, dass wir auf frühere Verletzungen hypersensibel reagieren. Insbesondere auf Verletzungen die in unserer Kindheit passiert sind und uns möglicherweise nicht einmal wirklich bewusst sind. Wie oft reagieren wir auf Situationen höchstemotional ohne selbst genau zu wissen warum? Wir brechen einen Streit vom Zaun ohne  wirklich sagen zu können was der konkrete Auslöser dafür war. Irgendetwas hat in uns plötzlich,  von einer Sekunde auf die andere, ein Gefühl ausgelöst welches uns abverlangt uns zu wehren. Ohne vorher darüber nachzudenken warum.

Dagegen können wir aber vorgehen. Vorausgesetzt wir sind bereit dazu uns tatsächlich mit uns selbst auseinanderzusetzen und selbstreflektiert mit unserem eigenen Verhalten umzugehen und uns damit gezielt auseinander zu setzen.

Wenn du selbst nächstes Mal also in so einer Situation bist in der du  merkst, dass du dich anders verhältst als du es eigentlich möchtest…. Dass Unsicherheiten überwiegen, oder du dich schlecht behandelt fühlst… überlege dir bitte was der Auslöser dafür sein kann. Und ganz besonders welche Gefühle das in diesem einen Moment gerade bei dir auslöst.

Und dann nimm dir, wenn du die Situation später noch einmal in Gedanken durchspielst, bitte die Zeit dich ganz intensiv damit auseinanderzusetzen wo diese Gefühle herkommen. Und stelle dir die besonders wichtige Frage wie du mit genau dieser Situation nun umgehen würdest, wenn du diese Gefühle nicht hättest. Wenn du (wieder) in der Lage wärst dieselbe Situation ganz neutral und unbeschwert zu erleben und mit dem eignen Tatsachen-Ohr zuzuhören. Ohne weitere Interpretationen.

Wenn du das schaffst dann wirst du die schönsten drei Wörter der Welt wieder richtig genießen können und zugleich wissen, dass ein „Du gehst mir auf die Nerven“ nicht bedeutet, dass dich jemand nicht schätzt, sondern in genau in diesem einen Moment gerade von seinen eigenen Glaubenssätzen übermannt wird und eben auch nicht mit dem eigenen Tatsachen-Ohr an die Sache herangeht…

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